KeepItOn-BerichtImmer mehr Netzsperren wegen Konflikten

Im Vorjahr erreichten Netzsperren ein neues Rekordhoch, zeigt der aktuelle Report der KeepItOn-Koalition. Über die Jahre kristallisiert sich zunehmend ein Trend heraus: Immer öfter wird bei Konflikten das Internet abgedreht.

KeepItOn 2025
Netzsperren sind ein zunehmend beliebtes Mittel, um bei Konflikten Menschen von Informationen abzuklemmen. – Alle Rechte vorbehalten Grafik: Access Now, Bearbeitung: netzpolitik.org

Mindestens 313 Mal wurde in 52 Ländern im Vorjahr das Internet teilweise oder vollständig abgeklemmt. 75 dieser Netzsperren in 33 Ländern hielten zudem das gesamte Jahr über an, wie der jährliche Bericht der Nichtregierungsorganisation Access Now und der KeepItOn-Koalition aufzeigt.

Demnach waren zum dritten Mal in Folge Konflikte in Ländern wie Kambodscha, der Demokratischen Republik Kongo oder Äthiopien der Hauptauslöser für Netzsperren. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Vor grob einem Jahrzehnt lagen solche Netzsperren im niedrigen einstelligen Bereich, im Vorjahr haben sie den Höchststand von 125 Blockaden in insgesamt 14 Ländern erreicht. Damit machten sie in der Statistik von KeepItOn rund 40 Prozent aller weltweiten Netzsperren aus.

Sperren gegen Unruhen

An zweiter Stelle folgten 64 Sperren aufgrund von Protesten oder politischer Instabilität. Im afrikanischen Togo kam es beispielsweise im Sommer 2025 zu Massenprotesten, getrieben vorrangig von Jugendlichen. Nach einer Repressionswelle der Regierung, die mindestens sieben Todesopfer forderte, blockierte sie teils monatelang den Zugang zu Online-Diensten wie Signal, Facebook und DuckDuckGo. Zudem drosselte sie tagsüber den allgemeinen Zugang zum Netz.

„ Jahr für Jahr streben Machthaber danach, Wahlen zu beeinflussen, Menschen zum Schweigen zu bringen und zu isolieren und unsere Rechte mit der gezielten Abschaltung des Internets ungestraft anzugreifen“, sagt Felicia Anthonio, die für Access Now die KeepItOn-Kampagne koordiniert.

Das kann sich auch auf weniger dramatischen Ebenen abspielen. In 48 Fällen wurde das Internet wegen „Informationskontrolle“ gesperrt, etwa begleitend zu schulischen Abschlussprüfungen in elf Fällen, um Schummeln zu verhindern, so der KeepItOn-Bericht.

Langzeitbeobachtung zeigt Trends auf

Die Initiative besteht seit dem Jahr 2017 und sammelt Datenmaterial, das bis ins Jahr 2016 zurückreicht. Erhoben werden die Daten mit der sogenannten STOP-Methode, die technische Ansätze mit qualitativen mischt. Die Rohdaten stehen frei verfügbar im Netz, zudem bietet Access Now ein eigenes Dashboard an.

Der Trend, bei Bedarf das Internet abzuklemmen, dürfte insbesondere bei autoritären Regierungen anhalten. So ordnete Iran nach Massenprotesten Anfang des Jahres ein nahezu vollständiges Internet-Blackout des Landes an. Die Proteste wurden zwar inzwischen vom Krieg der USA auf Iran abgelöst, die Blockade besteht jedoch bis zum heutigen Tag fort. Eine Kommunikation mit der Außenwelt ist seitdem fast unmöglich.

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